Geistige und Universelle Akademie
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Engel
Der Begriff „Engel“ leitet sich von dem
griechischen Wort „angelos“ = Bote, Botschafter ab.
Aus wissenschaftlicher Sicht sind
Engel Fabelwesen aus der jüdischen, christlichen und islamischen Mythologie.
In den fünf Weltreligionen – Christentum,
Islam, Judentum, Hinduismus und Buddhismus – gibt es nur in den
monotheistischen Religionen Christentum, Islam und Judentum Engel. Sowohl der
Hinduismus als auch der Buddhismus kennen keine Engel.
In den drei monotheistischen
Weltreligionen kommen Engelserscheinungen und Engelswirken in den jeweiligen
Heiligen Schriften mehrmals vor.
Engel sind himmlische, mit göttlichem
Bewusstsein, göttlicher Autorität und göttlicher Souveränität ausgestattete
Geistwesen. Sie wurden von Gott am Anbeginn der Existenz dieses Universums
geschaffen. Sie sind SEINE direkten Aspekte und Ausdrucksformen. Als solche
sind sie pures göttliches Licht, göttliche Liebe und göttlicher Frieden. Sie
sind fähig die hochfrequenten göttlichen Energien sowie das göttliche
Verbrennungsfeuer zu lenken.
Die Engel dienen Gott und SEINEM
Universum bzw. SEINER gesamten Schöpfung. Sie lobpreisen Gott, indem sie
immerwährend Hymnen singen. Die Engel haben klarste Erkenntnis sowie
Gotteserkenntnis. Sie sind machtvolle Wesen, jedoch sind sie in allem an den
Willen Gottes gebunden und führen diesen bedingungslos aus.
Engel kümmern sich um alle
Angelegenheiten dieses Universums und stehen der Verwaltung des riesigen
„Unternehmens GOTT“ vor. Sie sind Gottes direkte Hände, Augen und Münder und ER
drückt sich durch sie in Worten und Taten aus. Engel gelten als Mittler oder
Verbindungsstelle zwischen Gott und den Menschen. Deshalb stehen sie den
Menschen auch näher und können von ihnen besser erfasst werden. Sie gewähren
den Menschen Schutz und Führung.
Die Engel gelten auch als „Heer Gottes“.
Die Menge der himmlischen Heerscharen ist unzählbar. Der Prophet Daniel sah
tausendmal tausend Gott dienen und hundert Millionen vor IHM stehen.
Wie es bei den Menschen Unterschiede in
der Rasse und Hautfarbe gibt, so gibt es auch Unterschiede zwischen den Engeln.
Man spricht von einer Engels-Hierarchie. Diese ist unterteilt in verschiedene
Chöre.
Pseudo Dionysius Areopagit benennt neun Chöre und beruft sich dabei
auf die Heilige Schrift bzw. verschiedene Schriftstellen in der Heiligen
Schrift. Er entwarf mit seinem Werk „De caelesti hierarchia“ (im 6.
Jahrhundert) eine großartige Vision der himmlischen Welt. Diese neun Chöre
sind:
1. Hierarchie:
Die Seraphim sind der Widerschein
höchster Gottesliebe und beten Gott ununterbrochen an. Sie sind ewige
Bewegung rund um die göttlichen Geheimnisse, eine Glut, eine Schärfe, der
brennende Eifer einer permanenten Umkreisung
Die Cherubim bilden den Abglanz
der göttlichen Weisheit. Sie haben das Vermögen, den thearchischen Glanz
der ursprünglichen Macht Gottes zu betrachten.
Die Throne sind ein Aufleuchten
der göttlichen Majestät. Sie erfahren die Vollkraft all ihrer Anlagen,
unverrückbar und ständig dem EINEN nahe zu sein, der wahrhaft der
Höchste ist.
Die vorgenannten drei Engelschöre leben
an der Schwelle der Gottheit. Durch das Licht Gottes, an die sie direkt
partizipieren, erfahren sie einen dreifachen hierarchischen Akt, der
gleichzeitig Reinigung, Erleuchtung und Wachstum in der Vollendung ist. In
Bezug auf Gott sind sie SEINE Ruheplätze; in Bezug auf die niederen Engel
besteht ihre Funktion darin, zu offenbaren, was sie von der Dreifaltigkeit und
der Vorsehung wissen, die das ganze Universum auf eine überragende Weise in
einer unwiderstehlichen Umarmung umhüllt.
2. Hierarchie
Der 2. Hierarchie werden
die Herrschaften, Gewalten und Fürsten zugeteilt. Diese drei Chöre bauen die
Herrschaft Gottes im Universum auf. Die Chöre der zweiten Hierarchie
vergleicht Pseudo Dionysius Areopagit
mit den Fürsten, die die Länder des Königs verwalten.
Herrschaft besagt eine geistige Erhebung, frei
und allen irdischen Kompromissen enthoben mit Kraft, auf die wahre
Herrschaft und das Prinzip jeder Herrschaft zuzustreben.
Die Fürstentümer zeigen eine kühne
und feste Mannhaftigkeit in ihren Tätigkeiten, worin sie Gott gleichgeformt
sind.
Die Gewalten besitzen eine vollkommen
geordnete geistige Macht, die nicht von dieser Welt ist.
Diese zweite Hierarchie empfängt von der
ersten Ordnung geistiges Licht. Die Erkenntnis Gottes wird von Engel zu Engel
durch eine Art Abstufung weitergegeben. Die hierarchischen Akte der Reinigung,
Erleuchtung und Vervollkommnung sind in den niedrigeren Engeln das Werk der
höheren. So sind jene aus der zweiten Hierarchie erhoben zur Teilhabe am Licht,
das von der Thearchie ausgeht und durch die Seraphim, die Cherubim und Throne
vermittelt wird.
Der 3. Hierarchie werden
die Mächte, Erzengel und Engel zugeordnet. Dieser Chor ist für den Dienst am
Menschen zuständig, so Pseudo Dionysius Areopagit: Diese Engel sind
unmittelbar mit der Obhut der Menschen vertraut.
Die Kräfte sind mit Führungskräften
ausgestattet, gekennzeichnet durch das Prinzip über jedes Prinzip und fähig,
Gott durch die Harmonie ihrer Führerschaft zu offenbaren.
Erzengel haben als Zwischenwesen zwischen den
Mächten und Engeln an den Privilegien jener teil: sie empfangen das Siegel des
Prinzips und sie sind mit diesem vereint, wenn sie den Engeln die göttlichen
Erleuchtungen übermitteln.
Die Engel stehen den Menschen am
nächsten.
Die Engel der dritten Hierarchie machen
die göttliche Offenbarung den Menschen zugänglich; durch sie vermag die
menschliche Hierarchie zu Gott erhoben zu werden: durch Reinigung, Erleuchtung
und Vereinigung.
Erleuchtung bedeutet nach Dionysius
Teilhabe am Licht Gottes. Diese Teilhabe oder Partizipation ist bei den ersten
Rängen der Engel eine unmittelbare; sie erreicht die niedrigsten Ränge durch
die Vermittlung der höchsten. Von Hierarchie zu Hierarchie herab gelangt sie
schließlich zu den Menschen. Diese absteigende Bewegung hat eine aufsteigende zur
Folge: Durch Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung gelangt alles nach oben zu
Gott.
Im dionysianischen Sprachgebrauch
bedeutet das Wort „Hierarchie“ mehr als eine bloße Ordnung des Seins oder der
Ranghöhe der Autorität. Gott ist eine „Theo-archie“ in der etymologischen
Bedeutung von göttlicher Macht. Dionysius: „Ich nenne Hierarchie eine heilige
Ordnung, eine Erkenntnis und einen Akt, die der göttlichen Form so nahe wie
möglich sind, und deren Nachahmung Gottes im Verhältnis dazu wächst, wie sie
die göttlichen Erleuchtungen aufnehmen.“ Das Engel-Universum bildet die
Nachahmung der innersten Ordnung des Lebens Gottes. Die Hierarchie des
Dionysius ist eine Rangordnung, deren Ränge nicht nach Machtbefugnis oder
anderen menschlichen Kriterien abgestuft sind, sondern nach dem Grad der
Ehrwürdigkeit und Heiligkeit.
Der Äbtissin und Mystikerin Hildegard
von Bingen (1098 - 1179) offenbarte sich in ihren visionären
Engelsschauen eine etwas unterschiedliche Hierarchie der Engel. Zwar besteht
auch sie aus neun Chören, jedoch sind bei ihr in der 1. Hierarchie nur zwei
Chöre, in der mittleren Hierarchie fünf Chöre und in der 3. Hierarchie wiederum
zwei Chöre. In ihrem Buch „Scivias“ beschreibt sie die Engelshierarchie wie
folgt (siehe Abbildung):

Die
Engels-Hierarchie nach Hildegard von Bingen
Die Geister der ersten Reihe sind
an der Brust geflügelt und haben Antlitze wie Menschen, in denen wie in einem
ungetrübten Wasserspiegel Menschengesichter erscheinen. Das sind die Engel.
Flügeln gleich spannen sie das Verlangen, das sich aus der Tiefe ihrer
Erkenntnis ringt. Nicht als ob sie Flügel hätten wie die Vögel, sondern
schnell, wie der Gedanke des Menschen dahinfliegt, drängt ihre Sehnsucht sie,
den Willen Gottes zu erfüllen. Dass sie Antlitze haben, deutet auf die
Schönheit ihres vernünftigen Geistes, in dem Gottes alldurchforschender Blick
zugleich die Werke der Menschen erschaut. Denn wie der Knecht, kaum dass er den
Befehl seines Herrn vernimmt, ihm nachkommt, so haben die Engel die Erfüllung
des göttlichen Willens in den Menschen acht und stellen deren Handlungen in
sich selber Gott dar.
Die Geister der zweiten Reihe
haben Flügel an der Brust und Gesichter wie Menschen. In ihnen leuchtet wie in
einem Spiegel as Bild des Menschensohnes auf. Das sind die Erzengel.
Auch sie sind in der Sehnsucht ihres Erkennens auf den Willen Gottes
hingerichtet und offenbaren in sich die Schönheit des vernünftigen Geistes. Auf
eine ganz reine Weise verherrlichen sie das Fleisch gewordene Wort Gottes, da
sie die verborgenen Ratschlüsse Gottes schauen und durch ihre Botendienste dem
Geheimnisse der Menschwerdung den Weg bereiten durften.“
Den beiden Reihen schließen sich in
Kranzform fünf weitere Reihen an.
Von diesen Geistern hat die erste
Reihe wieder Antlitze wie Menschen, und von der Schulter abwärts erstrahlen
sie in hellem Glanz. Das sind die Kräfte. Sie steigen auf in den
Herzen der Gläubigen und bauen in ihnen mit brennender Liebe den hohen Turm
ihrer Werke. So spiegeln sie in ihrem geistigen Sein der Werke die Auserwählten
und führen diese durch ihre Kraft zum guten Ende hell leuchtender Seligkeit.
Wenn nämlich den Auserwählten die Klarheit innerer Erkenntnis aufgeht, so
schütteln sie alle Bosheit ihrer Sünden ab wegen des Lichtes, das von den
„Kräften“ nach meinem Willen auf sie herabstrahlt, und sie umleuchtet. Tapfer
kämpfen sie wider die Nachstellungen des Teufels. Alle diese Schlachten wider
die höllische Heerschar stellen die Kräfte unaufhörlich Mir, ihrem Schöpfer,
dar. Denn die Menschen tragen in sich den Entscheidungskampf der Bejahung und
der Verneinung. Inwiefern? Der eine bekennt Mich, der andere leugnet Mich. Die
Frage bei diesem Kampfe ist: Gibt es einen Gott oder nicht? Darauf antwortet
der Heilige Geist im Menschen: Es ist ein Gott, der dich erschaffen hat. Er hat
dich auch erlöst. Solange die Frage diese Beantwortung im Menschen findet, wird
die Kraft Gottes ihn nicht verlassen, denn auf solches Fragen und Antworten
folgt die Buße. Wo aber die Frage im Menschen nicht ist, da ist auch nicht die
Antwort des Heiligen Geistes. Ein solcher Mensch stößt die Gabe Gottes zurück,
und ohne Frage nach Buße stürzt er sich in den Tod. Alle diese Kämpfe bringen
die „Kräfte“ Gott dar, denn diese Geister sind vor Gott ein Siegel, an dem
offenbar wird, in welcher Absicht Gott verehrt oder verleugnet wird.
Die Geister der zweiten Reihe
stehen da in so lichter Klarheit, dass du sie nicht anzuschauen vermagst. Es
sind die Gewalten (Mächte). Sie deuten an, dass die Huld und
Schönheit der göttlichen Macht von der Ohnmacht der Sterblichen,
Sündenbefangenen nie begriffen noch berührt werden kann, denn nie zerfällt die
Macht Gottes.
Weißem Marmor gleich erscheinen die
Geister der dritten Reihe. Sie haben Häupter wie Menschen, und über
ihnen siehst du Feuerflammen. Eine eisenfarbige Wolke umhüllt von der Schulter
an abwärts ihre Gestalt. Das sind die Fürstentümer. Sie sind die
Urbilder derer, die aus Gottes Gabe in der Welt über die Menschen herrschen.
Mit der unangetasteten Kraft der Gerechtigkeit sollen sie sich umkleiden, damit
sie nicht dem Wankelmut der Unbeständigkeit verfallen. Sie sollen auf ihr Haupt
schauen, das Christus ist, und ihre Regierung nach seinem Willen zum Nutzen er
Menschen führen. In glühendem Eifer für die Wahrheit sollen sie lauschen auf
die über ihnen waltende Gnade des Heiligen Geistes, damit sie bis zu ihrem Ende
fest und beständig in der Kraft der Gerechtigkeit verharren.
Daher haben auch die Geister der vierten
Reihe Antlitze wie Menschenantlitze und Füße wie Menschenfüße. Auf ihrem
Haupte tragen sie einen Helm und sind mit marmorgleichen Tuniken bekleidet. Es
sind die Herrschaften, die zur Darstellung bringen, dass der Herr
aller Dinge die Vernunft des Menschen, die befleckt in menschlicher Verwesung
lag, von der Erde zum Himmel erhob, als er seinen Sohn auf die Erde sandte, der
den alten Verführer durch seine Gerechtigkeit niedertrat. Ihn also, der das
Haupt aller Gläubigen ist, sollen seine Getreuen getreulich nachahmen, ihre
Hoffnung auf das Himmlische setzen und stark werden im hochherzigen Verlangen
nach guten Werken.
Die Geister der fünften Reihe
haben gar nichts Menschenähnliches, sondern erglühen wie das Morgenrot. Es sind
die Throne. Ihre Erscheinung will besagen, dass die Gottheit Sich
zur Menschheit neigte, als der Eingeborene Gottes zum Heil der Menschen einen
Menschenleib anzog, unberührt von aller Menschenschuld. […] Weiter kannst du
von ihrer Gestalt nichts erkennen. Denn zahlreich sind die Geheimnisse
himmlischer Verborgenheiten, die die menschliche Gebrechlichkeit nicht zu
ergründen vermag.“
Diesen beiden Reihen schließen sich zwei
weitere Reihen kranzförmig an:
Die Geister der ersten Reihe
siehst du voller Augen und Flügel. In jedem Auge erscheint ein Spiegel und
darin ein Menschengesicht. Die Schwingen haben diese Geister wie zum Fluge in
die himmlischen Höhen erhoben. Das sind die Cherubim. Sie
versinnbildlichen das Wissen Gottes. In Ihm schauen sie die Mysterien
himmlischer Geheimnisse und verhauchen, so wie Gotte es will, ihr innerstes
Hinstreben [zu Ihm]. In der Tiefe ihres Wissens erschauen sie mit reinstem,
durchdringendem Blick wunderbar die Menschen, die in der Erkenntnis des wahren
Gottes gleich ihnen die Flügel ihrer Herzenssehnsucht in gutem und gerechtem
Streben auf den spannen, der über allen ist. Stärker ist in solchen die Liebe
zum Himmlischen als das Trachten nach dem Vergänglichen. So tun es diese
Geister im Fluge ihrer Sehnsucht dar.
Die Geister der zweiten Reihe
brennen wie Feuer. Sie haben sehr viele Flügel, und auf diesen erscheinen, wie
in einen Spiegel eingezeichnet, die Sinnbilder aller Rangstufen der
verschiedenen Stände der Gotteskirche. Das sind die Seraphim. Wie
sie selbst in flammender Liebe zu Gott brennen und ihr ganzes Begehren auf Seine
Anschauung gerichtet ist, so stellen sie in diesem ihren Sinnen und Trachten
die weltlichen und geistlichen Würden dar, in dem die geheimnisvollen Leben der
Gotteskirche in vieler Reinheit blühen, denn in ihnen offenbaren sich wunderbar
die geheimen Ratschlüsse Gottes. So mögen alle, die mit der Aufrichtigkeit
eines reinen Herzens liebend das himmlische Leben suchen, in Liebe zu Gott
entbrennen, Ihn mit ganzer Begier umfangen, damit sie zu den Freuden derer
gelangen, die sie gläubig nachahmen.
Dass du aber weder bei ihnen noch bei den
früheren nichts Weiteres von ihrer Gestalt erkennen kannst, bedeutet, dass in
den seligen Geistern viele Geheimnisse sind, die der Mensch nicht wissen soll.
Denn solange er sterblich ist, kann er das Ewige nicht vollkommen erkennen.
All diese Reihen tönen, wie du hörst, in
jeglicher Art von Musik und künden in wundersamen Harmonien die Wunder, die
Gott in heiligen Seelen wirkt – ein Hochgesang der Verherrlichung Gottes. In
unbeschreiblichem Jubel frohlocken die seligen Geister durch Gottes Kraft über
die Wunder, die Er in seinen Heiligen tut.
Nach Hildegard von Bingen ist die Aufgabe
der Engel Gotteslob und dienendes Mitwirken beim Werk der Erlösung. Engel
dürfen trösten, helfen, mahnen, sie sollen Führer und Vorbild sein. Aber tilgen
können sie die Eine große Not, die Sünde, nicht.
Gemäß dem Kirchenvater Augustinus
(354-430) sind die Engel erschaffene Weisheit, die Gott bei der Ausgestaltung
der körperlichen Welten dienen. Sie sind schon am ersten Schöpfungstag, beim
„es werde Licht!“ erschaffen worden.
Der schwedische Wissenschaftler, Mystiker
und Theologe Emanuel (von) Swedenborg (1688-1772) schildert in seinem populärsten
und aufschlussreichsten Werk „Himmel und Hölle“ (500 Seiten) alles Wesentliche
über Engel, Geister und Dämonen und die Sphären, in denen Geistwesen existieren
und wirken. Dieses Buch hat viele Theologen und Wissenschaftler bis heute
entscheidend geprägt.
Zu allen Zeiten des Christentums hatte
der Engelglaube eine zentrale Bedeutung. Papst Benedikt XIV. sagte: „Die
Engel sollen mindestens genauso verehrt werden wie Maria, denn ohne sie wäre
vieles in der Bibel nicht möglich gewesen.“ Er nannte zwei Beispiele: Die
Flucht nach Ägypten, als der Engel Josef im Traum erschien, und die
Verkündigung der Engel, dass Jesus auferstanden sei. Dies geschah am
Ostermorgen. Bekannt ist auch die Erscheinung des Engels Gabriel bei der
Jungfrau Maria, um ihr die Geburt des „Gottessohnes“ anzukündigen.
Der Koran, das Heilige Buch des
Islam, spricht an zahlreichen Stellen von Engeln. Zwei Engel, Michael (arab.
Mika’il) und Gabriel (arab. Djibril) werden im Koran namentlich genannt, die
islamische Überlieferung benennt zudem die Engel Israfil, den Todesengel
Izra’il und die Grabesengel Munkar und Nakir.
Nach dem Islam sind die Engel gewaltige
und mächtige unsichtbare Lichtgestalten von teils gigantischen Ausmaßen. Die
Engel des Islam preisen Allah. Sie sind Diener Gottes, schützen die Menschen
und das All. Sie werden als Mittler zwischen Gott und den Menschen gebraucht.
In der Nacht seiner Himmelfahrt, Mir'aj, als der Prophet Mohammed die Himmel besuchte, sah er dort die Engel die verschiedenen Gebetsstellungen und Andachtformen ausüben. Die Engel des ersten Himmels wiederholten vom Tage ihrer Erschaffung an fortwährend den heiligen Gottesnamen im Dhikru llah, sie befanden sich dabei in der aufrechten Stellung des Qiyam. Die Engel des zweiten Himmels beugten sich in der Stellung der Ruku' seit dem Tage ihrer Erschaffung. Am Tage des Gerichts werden diese Engel sprechen: "O Herr, wir waren unfähig, Dich in gebührender Weise zu verehren." Die Engel des dritten Himmels befanden sich in Sajda, der Niederwerfung, seit dem Tage ihrer Erschaffung.
Als der heilige Prophet zu ihnen kam und sie grüßte, hoben sie die Köpfe und erwiderten seine Friedensgrüße, dann ließen sie den Kopf wieder fallen. Deswegen besteht das Gebet der Muslime aus einer zweimaligen Sajda. Die Engel des vierten Himmels rezitierten das at-Tahiyyatu'-Du'a. Die Engel des fünften Himmels trugen Tasbih vor: "Subhanaka", die des sechsten Himmels Takbir: "Allahu akbar" und die des siebenten Himmels Tahlil: "La ilaha illa llah". Dem Propheten Mohammed gefielen diese Formen der Verehrung Gottes über die Maßen, dass er den Herrn bat, seiner Gemeinde ein Gebet mit diesen Stellungen zuteil werden zu lassen. Der Herr erhörte seine Bitte und lehrte ihn das Gebet, wie es die Muslime seither beten.
Weiter berichtete der Prophet Mohammed in seiner Himmelfahrt über 7 verschiedene Himmel, in denen die Engel sich aufhalten: Der erste Himmel war aus reinem Silber, und die Sternre hingen von seinem Gewölbe an goldenen Ketten; in einem jeden lag ein Engel auf Wache, um die Dämonen davon abzuhalten, in die heiligen Wohngemächer aufzusteigen, und die Geistwesen davon, taktlos himmlischen Geheimnissen zu lauschen. Dort größte Muhammad Adam. Und in den sechs anderen Himmeln traf der Prophet Noah, Aaron, Moses, Abraham, David, Salomo, Enoch, Johannes den Täufer und Jesus. Er sah den Engel des Todes, Azrael, so riesig, dass seine Augen 70.000 Tage Fußmarsches auseinander lagen. Er befehligte 100.000 Bataillone und verbrachte seine Zeit damit, in ein unermesslich großes Buch die Namen derer, die starben oder geboren wurden, einzuschreiben. Er sah den Engel der Tränen, der wegen der Sünden der Welt weinte; den Engel der Rache mit ehernem Gesicht, der den Elementen des Feuers präsidiert und auf einem Thron von Flammen sitzt; und einen anderen gewaltigen Engel halb aus Schnee und halb aus Feuer, umgeben von einem himmlischen Chor, der unablässig rief: „O Gott, Du hast Schnee und Feuer und all Deine Diener im Gehorsam gegenüber Deinen Gesetzen vereint.“ Im siebenten Himmel, wo die Seelen der Gerechten wohnten, war ein Engel größer als die ganze Welt, mit 70.000 Köpfen; jeder Kopf hatte 70.000 Münder, jeder Mund hatte 70.000 Zungen und jede Zunge sprach in 70.000 verschiedenen Mundarten, endlos das Lob des Allerhöchsten singend.
Die Engel sind im Koran auch die Boten, die
den Propheten die Offenbarungen Allahs übermitteln. So ist beispielsweise dem
Propheten Mohammed der Erzengel Gabriel erschienen und hat ihm den Koran
übermittelt.
In der Geschichte Mohammeds spielen Engel
eine große Rolle. So berichtet der Mohammed Biograf Ibn Ishaq, dass in der
Kindheit des Propheten zwei Engel erschienen, die die Brust des jungen
Propheten öffneten, um daraus einen dunklen Fleck zu entfernen. Dadurch soll der
Überlieferung nach alles Böse aus Mohammeds Seele entfernt worden sein.
Ein zentrales Element des islamischen
Glaubens ist, dass jeder Mensch hinter sich bei der linken und rechten Schulter
einen speziellen Schreiber-Engel hat, der alle guten bzw. bösen Taten der
Menschen aufschreibt. Während der Engel zur rechten jede gute Tat sofort
aufschreibt, wartet der Engel zur linken noch eine gewisse Zeit, um eine
schlechte Tat aufzuschreiben. Der Islam lehrt, wenn der Mensch eine Tat vor
Gott bereut und zum Ausgleich etwas Gutes tut, wird die schlechte Tat nicht
aufgeschrieben. Am Ende des Lebens erscheinen dann die beiden Engel und
präsentieren alle guten bzw. schlechten Taten eines jeden Menschen. Überwiegen
die schlechten Taten, so kommt der Mensch in die Hölle. Überwiegen die guten
Taten, tritt der Mensch in das Paradies ein. Das islamische Ritualgebet, das
praktizierende Muslime mindestens fünfmal täglich vollziehen, endet darum auch
immer in der knienden Position mit einer Kopfbewegung zur rechten und zur
linken Schulter, um die beiden Schreiberengel zu begrüßen.
Wie schon zuvor darauf hingewiesen, gibt
es neun Chöre von Engeln (Engels-Hierarchie). An vielen Stellen wird aber noch
auf einen 10. Engelschor hingewiesen: Die abgefallenen Engel (die
Teufel). Bei den abgefallenen Engeln handelt es sich um die Engel, die meinten,
sie könnten so sein wie Gott. Gott unterwarf die Engel einer sittlichen
Prüfung: die „guten“ Engel gingen daraufhin in die Seligkeit des Himmels ein;
die „bösen“ Engel verfielen der ewigen Verdammnis.
Der Teufel oder Luzifer und seine Dämonen
waren also ursprünglich „gut“. Diese Überzeugung teilen alle monotheistischen
Religionen. Der Teufel ist ein gefallener Engel. Während die himmlischen
Heerscharen eine heilige Ordnung bilden, sind die Dämonen eine „Chaos-Truppe“
oder – wie Bonaventura lehrte – eine „perversitas“, d.h. eine verkehrte
Ordnung.
Unter den Dämonen findet man nach
scholastischer Lehre ehemalige Seraphim, Cherubim, Erzengel usw. Dämonen sind
geradezu besessen von ihrem Hass gegenüber der göttlichen Ordnung. Deshalb
stellen sie auch den Gläubigen nach und versuchen sie gegen Gott aufzuhetzen.
Der Apostel Paulus mahnte daher seine Gemeinde: „Zieht die Waffenrüstung Gottes
an, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir
haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und
Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis herrschen,
mit den bösen Geistern unter dem Himmel!“.
Jesus bezeichnete den Teufel als großen
Lügner und als Vater der Lüge. Der Teufel möchte den Aufbau des Reiches Gottes
durch seine Lügen verhindern und statt dessen sein Reich aufbauen. Doch da er
ein abgefallener Engel ist, ist seine Macht begrenzt und nicht unendlich. Die
Macht Gottes steht über ihm.
Die beiden wichtigsten Erzengel sind Michael
und Gabriel. Michael gilt als Bezwinger des Satans (Luzifer) in Gestalt
des Drachen (Höllensturz) sowie als Anführer der himmlischen Heerscharen. Schon
früh wird Michael als Hüter des Paradiestores dargestellt.
In den 1947 entdeckten Schriftrollen vom
Toten Meer wird Michael als „Fürst des Lichts“ bezeichnet, der die Heerscharen
Gottes gegen die Mächte des Bösen unter Belial führt. Auch trägt er dort den
Titel „Vizekönig des Himmels“, ein Titel, der früher Satan zugestanden haben
soll.
Der Erzengel Gabriel gilt als Ausleger
von Visionen und als Bote Gottes. In der jüdischen Apokalyptik spielt Gabriel
auch eine Rolle als Straf- und Todesengel, sowie als Herr des Paradieses. Im
Talmud gilt er nach Michael als der Größte der „Engelsfürsten“, das Urteil
Gottes aufzeichnend und vollziehend.
In rabbinischen Quellen heißt es von
Gabriel, er bestehe ganz aus Feuer, während Michael ganz aus Schnee bestehe. Entsprechend
werden darin Gabriel und Michael die Metalle Gold und Silber zugeordnet.
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